Buchproduktion: Wie entsteht eigentlich ein Buch?

Buchproduktion

Fragst du dich manchmal auch, wie das eine oder andere entsteht, z.B. die Buchproduktion? Wie es gemacht wird?
Ich schon, ich bin da verdammt neugierig.

Was ich schon als Kind gerne wissen wollte – ich lese ja gerne – war:
wie werden Bücher gemacht?

Nun bin ich in der glücklichen Lage, genau diese Frage beantworten zu können.
Und ich kann dir damit zeigen, wie man in meiner Branche und zwar nun genauer als Mediengestalter  so arbeitet.

Meine Arbeit an sich umfasst den sogenannten Pre-Press- oder Druckvorstufenbereich, mache sagen auch Herstellung  dazu.

Natürlich entsteht ein Buch in erster Linie beim Autor. Der muss es ja schließlich schreiben. Danach sucht der Autor einen Verlag, der das Buch veröffentlicht. Wenn er den gefunden hat, dann komme ich ins Spiel.

Grob gesagt haben wir dann sechs Bereiche, die durchlaufen werden müssen, bis du das Buch in den Händen halten kannst.

  1. Gestaltung:
    Hier wird das Layout festgelegt. Oft – gerade bei wissenschaftlichen Büchern, die in sogenannten Verlagsreihen erscheinen – muss man ein bestehendes Layout adaptieren.
  2. Vorbereitung für den Satz:
    Das Lektorat prüft den Text vom Autor und bereitet ihn für den Satz vor.
    Es legt dabei z. B. die Überschriftshirachie fest, welche bei einem wissenschaftlichen Buch wichtig ist. Der Mediengestalter sollte nicht entscheiden müssen, was fett oder kursiv gesetzt wird, das legt der Lektor oder Verlag in den Satzanweisungen fest.
  3. Satz und Korrektur:
    Einfließen lassen des Textes ins Layout, Umbruch, Vorlage der Seiten zur Korrektur.
  4. Druckvorstufe:
    Meiner Ansicht nach ist Satz & Korrektur auch ein Teil der Druckvorstufe, aber in diesem Part werden die Bilder gescannt, aufbereitet und eingebunden.
  5. Druck:
    Meistens im Offsetdruck, aber auch im Digitaldruck (ist im Prinzip das Gleiche, als wenn du einen Text via deines Druckers ausdruckst).
  6. Buchbinden.

Natürlich laufen viel Schritte nicht unbedingt nacheinander ab.
Ich bin ein Full-Service Unternehmen und biete den Buchsatz von A–Z an, Manuskript an mich -> druckfertige PDF an Verlag bzw. Druckerei.

Ich habe mal den Workflow, also den Arbeitsablauf ein bisschen detailliert dargestellt. Die angenommenen Arbeitstage (AT) für die einzelnen Arbeitsschritte sind Richtwerte. Das geht manchmal schneller und manchmal zieht es sich.
Einiges kann ich beeinflussen, anderes nicht.
Z. B. das Korrekturlesen beim Autor, das kann rasend schnell gehen, weil der Text super überarbeitet eingereicht wurde, aber dann kann es auch wieder ewig dauern.

Nun im einzelnen:

Buchproduktion

Der Verlag fragt an, ob die Möglichkeit besteht, ein Buch zu produzieren. Wir sprechen über die Termine, meistens sind schon Drucktermine mit der Druckerei gemacht, oft haben wir aber freie Wahl.
Für ein wissenschaftliches Buch mit Inhaltsverzeichnis, Index (Schlagwörtern), Fußnoten, Bildern, Grafiken und oft auch noch Tabellen kann man mindestens sechs Wochen Produktionszeit rechnen. Dabei sind aber Laufzeiten beim Autor und auch in manchen Verlagsbereichen nicht eingerechnet.

Mein Workflow ist großzügig und kommt auf 97 Produktionstage, wie gesagt, einiges sind einfach Näherungswerte.

Wenn der Verlag und Helz-Design sich einig sind, bekomme ich einen Satzauftrag und die ersten lektorierten Texte.

Als erstes prüfe ich, ob die angelieferten Daten lesbar sind. Meistens bekomme ich Word-Dokumente – .doc-files – aber manchmal sind diese angeblichen Word-Dokumente eben nicht mit Word entstanden, sondern nur im Nachhinein konvertiert worden.

Gerade im wissenschaftlichen Bereich kommen die Autoren aus der ganzen Welt und man weiß oft nicht, welches Programm dem Text eigentlich zu Grunde liegt.

Da der Satz eines Buches wesentlich anspruchsvoller ist, als das Schreiben eines Briefes, benutze ich für meine Arbeit auch keine Textverarbeitung, sondern ein Layout-Programm.
Solche Programme sind InDesign, QuarkXpress. Früher gab es noch PageMaker, Ventura Publisher, FrameMaker und Ragtime.

Ich prüfe auch, ob der gelieferte Text mit meinem Layout-Programm kompatibel ist.

Dann erstelle ich auf der Grundlage des vom Verlag überlassenen Layouts ein oder zwei Probekapitel.
Das geht dann als PDF-Datei an den Verlag, wo es vom Lektorat genau geprüft wird.

Wenn alles so ist, wie es sein soll, kommt das OK, meistens zusammen mit den restlichen Textdateien.

Jetzt kommt der arbeitsintensivste Teil.
Der gesamte Text wird ins Buchlayout einfließen gelassen und durch formatiert – jede Überschrift, jede Fußnote, jeder Absatz.

Natürlich arbeite ich da mit Stilvorlagen, die wurden ja mit dem Probekapitel erstellt, soweit sie nicht schon vorliegen, weil wir in der Buchreihe schon mal was gemacht haben.

Alles in allem brauche ich schon ein bis zwei Arbeitswochen für diesen Teil.

Wenn ich damit fertig bin, wird das Buch Korrektur gelesen.
Der Text wird auf Rechtschreibfehler geprüft, aber der Korrektor schaut sich auch an, ob ich alles richtig formatiert habe. Bei 600 Seiten mit z. B. 1300 Fußnoten – was bei juristischen Texten schnell passieren kann – sieht man irgendwann den Wald vor lauter Buchstaben nicht mehr.

Während der Korrektor den Text liest, scanne ich die Bilder (hier treffen sich Bereich 3 und 4). So ein Schwung Bilder kann schon mal 3 Tage brauchen, bis er digitalisieren ist.
Wenn ich das Glück habe und der Autor die Bilder schon digitalisieren hat, evt. auch weil sie mit einer Digitalkamera aufgenommen wurden, dann bin ich nicht aus dem Schneider, nein ich muss sie schon bearbeiten und prüfen, ob die gelieferten Bilder druckfähig sind.
Das ist vor allem eine Frage der Auflösung. Dazu werde ich aber mal einen eigenen Artikel schreiben.

Also Bilder scannen, bearbeiten, und wenn gewünscht und gebraucht Grafiken erstellen.

Wenn ich mit meinen Bildern durch bin, bekomme ich hoffentlich die Korrekturen vom Korrektor auf den Tisch. Die baue ich ein. Das ist höchste Konzentrationsarbeit.

Nun kommen meine Bilder rein und schon sieht das Buch so aus, wie es nachher gedruckt vorliegt.
Ich liebe DTP.
Per PDF geht es dann an den Verlag.

Die lesen nun auch Korrektur und prüfen den sogenannten Erstsatz genau.

Meistens müssen die Lektoren Korrekturlesen.
Einige drucken sich die Seiten aus und schreiben ihre Korrekturen mit den Korrekturzeichen, die man in jedem Duden findet, in den Text. Andere wiederum nutzen die Notizwerkzeuge von Acrobat, um die Korrekturen digital zu markieren.

Meine Aufgabe ist es dann, die Korrekturen ins Buch einzuarbeiten und es dann dem Verlag wieder zu schicken.
In der Regel läuft das immer über PDF-Daten und wird per Email versandt.

Nun kommt der nicht beeinflussbare Teil.
Der Verlag schickt den Satz an den Autor.
Der muss auch gründlich Korrekturlesen.
Dabei kommt es nicht mehr auf Rechtschreibung und Grammatik an, das haben vorher die Korrektoren und Lektoren schon erledigt. Was viel wichtiger ist, der Autor muss prüfen, ob z. B. die Fußnoten alle richtig sind.
Dann muss der Autor auch – wenn es erforderlich ist – die Schlagworte für einen zu erstellenden Index markieren.
Ja da sitzt er im stillen Kämmerlein und geht mit dem gelben Stift durch den Text.

Wenn die Korrekturfahnen, so der Fachausdruck, wieder im Verlag ankommen, dann ist das Verfahren wie beim Erstsatz. Lektor notiert entweder alles von Hand, schickt mir evt. einfach die markierten Fahnen vom Autor zu oder es wird in die PDF-Datei übernommen.

Was ich nicht gerne habe ist, wenn man mir Korrekturen per Telefon durchgeben will.
Wir reden dabei nicht von Kleinigkeiten wie: „Auf Seite 25 stimmt das Überschriftsformat nicht!“, sondern von umfassenden Korrekturen.

Die telefonische Durchgabe ist auch unfair dem Kunden gegenüber.
Es kann nämlich keiner mehr prüfen, ob die Korrektur wirklich durchgegeben wurde.

Wenn es nicht ins Manuskript geschrieben werden kann, dann sollte der Lektor es zu mindestens in einer Email zusammenfassen.

Helz-Design gibt nun wieder hochkonzentriert die Korrekturen ein.
Danach werden die Stichworte im Text markiert.

Das Layoutprogramm hat Gott sei dank eine Indexfunktion.
Einmal markiert und aktiviert, erstellt es einen Index, wo dann genau steht z. B. „Erstsatz….. 1, 3, 5, 30“
Das muss ich dann natürlich noch durch formatieren.
Genauso wird dann das Inhaltsverzeichnis erstellt.
Da helfen auch wieder die Stilvorlagen. Es gibt ja eigene für jede Überschriftsart, aber auch für andere Textformen.
Im Inhaltsverzeichnis erscheinen die Kapitelüberschriften, bis zu welchem Grad hat der Verlag in der Satzanweisung entschieden.

Bei allen Schritten kontrolliere ich immer wieder das Layout.
Stimmt der Umbruch noch?
Hat sich nicht irgendeine Überschrift an eine Stelle geschmuggelt, wo sie nichts zu suchen hat.

Du kennst das bestimmt von Word, das es da manchmal ganz merkwürdige Ergebnisse gibt.

So muss eine Überschrift immer mit dem nachfolgenden Absatz zusammenhalten, also nicht irgendwie allein in der Landschaft stehen.
Auf meine Bilder muss ich aufpassen.
Am besten ist es wenn sie im Text verankert sind, was aber nicht immer möglich ist.

Wenn alles fertig ist, dann mache ich wieder eine PDF-Datei, die ich an den Verlag schicke.
Der prüft noch mal alles genau, oft assistiert jetzt die Grafikabteilung des Verlages.
Es werden auch verlagstypische Besonderheiten angegeben.

Manche Verlage möchten, das neue Absätze auf einer neuen Seite stumpf beginnen, also ohne einen Einzug.
Normal beginnt ein Absatz nach einer Überschrift stumpf und danach gibt es immer einen kleinen Einzug.
Das macht den Text für dich besser lesbar.

Einen Absatz stumpf auf einer neuen Seite beginnen zu lassen, kann man erst eingeben, wenn wirklich alle Korrekturen durch sind und man es nicht mehr erwartet, das sich der Umbruch noch verschieben wird.

Diese Besonderheiten baue ich dann mit den Endkorrekturen ein.
Der Arbeitsaufwand wird aber immer geringer.
Auch wenn man drei oder vier Korrekturläufe hat, ein wirklich fehlerfreies Buch wird es nie geben.
Wenn du mal in einem Buch einen Fehler findest, dann denk nicht, das die Kollegen schlampig gearbeitet haben, es gibt kein fehlerfreies Buch.

Mein Part ist jetzt eigentlich erledigt.
Der Verleger schaut sich die Enddaten nochmal an und erteilt mir eine Imprimatur, also eine Druckfreigabe.
Das beinhaltet auch, das der Verleger damit bestätigt, das alles OK ist und er das so anerkennt, wie es geliefert wurde und nun ab in den Druck.

Jenach dem schicke ich die druckfertige PDF-Datei direkt in die Druckerei oder aber an den Verlag, der sie dann selber in die Druckerei schickt.

Als erstes werden natürlich auch in der Druckerei die Daten geprüft. Dann werden die Maschinen eingerichtet und Druckplatten von der gelieferten PDF-Datei erstellt.
Nun fertigt die Druckerei auch einen Korrekturabzug an, den nennt man Blaupause.

Diese Blaupause wird dem Verlag vorgelegt, der nach Prüfung auch hier eine Imprimatur erteilt.
Dann geht es los.
Es wird gedruckt.
Das geht recht flott. Meistens braucht das Papier länger zum Trocknen als der eigentliche Druck.
Aber mit mindestens einer Arbeitswoche sollte man schon rechnen.

Buchproduktion

Wenn gedruckt ist und alles trocken ist, dann tritt der Buchbinder auf den Plan.

Die fertigen Bücher werden an den Verlag geliefert, der dann hoffentlich Helz-Design das Belegexemplar zuschickt. Das kommt ins Regal und ich zeige es dir dann gerne, wenn du mal vorbei kommst.

Ich finde es immer toll, wenn ich das Buch in den Händen halte. Es macht mir meine Arbeit begreifbar.

Wenn du mehr oder etwas genauer wissen willst, dann frag mich …

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