TypoTipp: Gebote der Typographie: Deformiere keine Schrift

Deformiere keine Schrift

Das sollte selbstverständlich sein. Mir rollen sich echt sämtliche Fußnägel und auch Fingernägel hoch, alle Haare sträuben sich, wenn ich sehe, was Menschen manchmal mit armen, unschuldigen Schriften so treiben. Sie werden in alle Richtungen gezerrt und verbogen, als würde es die einzelnen Buchstaben nicht schmerzen.

Schriften sind Kunstwerke, die Typographen, die sie kreiert haben, haben sich viele Gedanken gemacht, um das Optimale in ihre Schriften zu legen.

Wenn mir der Zuschnitt einer Schrift nicht passt, dann zerre ich nicht an ihr rum, als gäbe es kein Morgen, sondern ich suche mir eine andere Schrift aus.

Es gibt zwar nicht unendlich viele Schriften am Markt, aber es sind mehr als 20. Warum komme ich jetzt auf 20? Das ist die Zahl, die mir kürzlich eine Freundin nannte, als ich sie schätzen ließ, wieviele Schriften denn so ein Schriftjunkie sein eigen nennen könnte. Nein keine 20, keine 50, auch keine 100. Mein Schriftordner hat über 50.000 verschiede Schriften, inkl. verschiedener Schnitte.

Ein schönes Beispiel für vielfältige Schriftschnitte ist die Myriad.

myriad

Da ist für jede Auszeichnungsart etwas dabei. Da muss keine Schrift mehr gequält werden und schräg gestellt werden oder künstlich verfettet, nur weil der entsprechende Schnitt nicht vorhanden ist.

Schau mal auf die Beispiele:

falsches vs echtes kursiv
falsches vs echtes kursiv

Vor allem wenn du dir die einzelnen Buchstaben anschaust, beispielsweise das kleine e, wirst du den Unterschied vom falschen, einfach schräggestellten Buchstaben zu echtem kursiv, das auf einem eigenen Schriftschnitt beruht, feststellen!

Das gleiche haben wir auch bei Fettschnitten. Klar könnte man hergehen und sagen: ach ich bastele mir das selber, indem ich eine Kontur drum herum lege. Nein, tu es nicht!

falsches vs echtes bold
falsches vs echtes bold

Du wirst nämlich deinen Text nicht mehr richtig lesen können. Hier habe ich als Beispielschrift  TheSerif gewählt.

Als Eselsbrücke, ja schlecht gereimt ist auch gut gewollt:

„Zerre nie am E, denn es tut ihm weh!“